The Mandalorian‘ T2 (Review) von Jon Favreau (Disney+)

Die zweite Staffel der unterhaltsamen und effektiven Serie, die aus dem „Star Wars“-Universum hervorgegangen ist, endete für die Fans mit einem hochemotionalen Moment, der dieses „Spin-Off“ mit der zentralen Geschichte der von George Lucas geschaffenen Saga verbindet.

Das ist etwas, das Star Wars schon immer besonders gut konnte. Talludito-Fans werden sich an die Zeichentrickserie der „Ewoks“ und „Droiden“ aus den 1980er Jahren erinnern, sowie an die eigenen Filme der Ewoks, die in Deutchland und anderen Ländern mit vollen Ehren in die Kinos kamen. Und in den Zeiten, in denen alles Feld (und Kanon) war, haben sich Comics, Bücher und Videospiele damit vergnügt, Geschichten für Nebenfiguren zu erfinden, die den Schnitt zum Protagonisten nicht bestanden haben.

Tatsächlich war von allen neuen Disney-Filmen die Idee der Subserie „A Star Wars Story“, deren Kontinuität durch die enttäuschenden Einspielergebnisse von „Han Solo“ vereitelt wurde, diejenige mit den anregendsten Ideen. In diesem wurde die Vergangenheit eines der beliebtesten Protagonisten der Saga erzählt, und sein Partner „Rogue One“ machte aus dem typischen Rebellenplan, imperiale Aufnahmen zu stehlen, eine Mischung aus Raub- und Spionagefilm.

Der Star Wars-Fan ist auch ein Fan der weiterführenden Schulen, die wenig oder keinen offiziellen Hintergrund haben. Lando Calrissian oder Boba Fett selbst waren ursprünglich, in ihren ersten Auftritten, wie fast leere Leinwände, Charaktere, die der Zuschauer nach Belieben ergänzen konnte. Und in der Tat kommt ein Großteil des Charismas des ersten Teils von der Einprägsamkeit seiner sehr sekundären Charaktere in der ersten Hälfte, vom glücklosen Greedo über die Tusken bis hin zu den unvergesslichen Jawas. Es ist nicht überraschend, dass die beiden letztgenannten als Gäste in der zweiten Staffel von „The Mandalorian“ auftauchen und dass Boba eine Schlüsselfigur in dieser Folge ist.

Nach einer ersten Staffel, in der die Disney+-Serie eine Struktur und einige Konstanten (fast in sich geschlossene Episoden, minimale Verweise auf das „Star Wars“-Universum, um es zugänglicher zu machen, westlicher Ton, Grogu im Vordergrund) präsentierte, ist diese zweite Staffel von „The Mandalorian“ fast eine Bestätigung ihrer Philosophie. Eine Rechtfertigung der Nebenfiguren von „Star Wars“, der Helden, die keine Tribute unter den Königen erhalten, derer, die ihr Leben in kleinen epischen Prüfungen riskieren.

Die erste und die letzte Episode der zweiten Staffel von „The Mandalorian“ haben ein gemeinsames Detail: in beiden Fällen wird auf den/die Todesstern(e) verwiesen. In der ersten sehen wir in einer Rückblende die Bewohner eines Dorfes in Mos Pelgo auf Tatooine, die die Zerstörung des zweiten dieser tödlichen künstlichen Satelliten bejubeln, in einer Art dreidimensionalem Gif der Explosion. Im letzten bezieht sich ein Soldat mit einem Augenzwinkern, das sowohl an „Clerks“ als auch an „Austin Powers“ anknüpft, auf etwas weniger als die Todesstern-Gangster, die wegen der Rebellen gestorben sind.

Mit anderen Worten: Selbst auf der Seite der Bösewichte ist der Mandalorianer in die Underdogs verliebt. Diese Philosophie auf die Spitze zu treiben, hat es möglich gemacht, eine Serie mit einem maskierten Helden mit der Stimme von Pedro Pascal und einer animatronischen Puppe ohne Dialogzeilen zu einem Erfolg zu machen. Aber diese Figuren haben Substanz, und das sage ich nicht nur wegen Disneys (fast immer glücklichem) Beharren darauf, Grogu in eine Meme-Fabrik zu verwandeln.

Diese Substanz kommt zu einem großen Teil von dem guten Geschmack, mit dem Jon Favreau und Dave Filoni die Codes des Western- und Samurai-Kinos neu formulieren, manchmal so außergewöhnlich wie in der ersten oder fünften Episode dieser Staffel, bzw. Anspielungen auf die Idee des einsamen Helden, der durch feindliches Terrain wandert und immer denen hilft, die in Not sind. Der Schlüssel dazu liegt im vorletzten Kapitel dieser Serie, das mit seiner Hommage an „Cursed Charge“ seine Botschaft sehr deutlich macht: Egal, wie schurkisch man in der Vergangenheit war, es gibt immer eine Chance auf Erlösung.

So macht sich „The Mandalorian“ die großen Tugenden der besten Momente der galaktischen Saga zu eigen: den Sinn für Wunder, die Hingabe an ein fast platonisches Konzept von Abenteuer und das Wiederkäuen von Themen, die der Populärkultur sehr am Herzen liegen, um ihnen neue Bedeutungen zu geben. Das ist es, was „Low Culture“ schon immer getan hat: Pulp-Literatur, die B-Serien… und die charismatischen Gymnasien. Jetzt, dank „The Mandalorian“, Träger des ehrlichsten Epos.

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